Windpocken (Varizellen oder «wilde/spitze Blattern») sind eine sehr ansteckende Viruserkrankung, die vom Virus namens Varizella zoster hervorgerufen und von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Visage d'enfant avec des boutons de varicelle
Foto: Thomas Netsch

Die Krankheit tritt meistens im Kindesalter auf und äussert sich durch Fieber und einen juckenden Ausschlag. Der Ausschlag beginnt meist am Kopf, besteht zuerst aus roten Flecken, welche sich rasch in Knötchen und dann in Bläschen umwandeln und später verschorfen. Die Windpocken sind bei Kindern eine unangenehme, aber meistens gutartig verlaufende Krankheit.

Das Risiko von Komplikationen ist hingegen viel höher, wenn Erwachsene an Windpocken erkranken. In der Schweiz ist das bei jährlich schätzungsweise 3000 Personen im Alter über 16 Jahren der Fall. 60 bis 70 von ihnen müssen wegen Komplikationen hospitalisiert werden.

Komplikationen sind bakterielle Hautentzündungen, Lungenentzündung, Hirnhaut- und Gehirnentzündung, welche schwer und selten auch tödlich verlaufen können. Von 100’000 Kranken sterben etwa 2 Kinder an den Folgen von Windpocken, bei Erwachsenen über 16 Jahren sind es hingegen 30. Da sich die Viren im Körper einnisten, kann nach Jahren oder sogar Jahrzehnten, die häufig sehr schmerzhafte Gürtelrose auftreten.

Ein erhöhtes Komplikationsrisiko besteht auch für schwangere Frauen (schwer verlaufende Lungenentzündung, Missbildungen beim Kind), für Neugeborene und für Personen mit einem geschwächten Immunsystem.

Da die Impfung gegen Windpocken zur Zeit in der Schweiz für Kleinkinder nicht empfohlen wird, ist das Risiko für das Auftreten dieser Krankheit sehr hoch.

 

Impfstoff gegen Windpocken

Der Impfstoff gegen Windpocken (Varizellen) enthält abgeschwächte Viren. Er soll eine Immunantwort auslösen, ohne dass die Krankheit zum Ausbruch kommt.

Die Impfung erfordert zwei Impfdosen im Abstand von einem Monat.

 

Die Impfung gegen Windpocken wird empfohlen für:

  • Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren.
  • Junge Erwachsene (bis 40 Jahre), die noch keine Windpocken hatten und deshalb noch nicht geschützt sind.

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie gegen Windpocken geschützt sind, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder eine Gesundheitsfachperson. Sie können Ihnen Auskunft geben.

 

Empfehlungen für Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko

  • Kinder mit schwerem Ekzem.
  • Leukämien, Lymphome, Myelome.
  • Medikamentöse Immunsuppression (Transplantation, chronische Krankheiten).
  • HIV-Infektion ohne Symptome oder ohne Immunsuppression.

 

Empfehlungen für Personen mit einem erhöhten Kontakt- und/oder Übertragungsrisiko

  • Medizinisches Personal und Pflegepersonal.
  • Familienmitglieder von Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko.

carnet de vaccination électronique

Es ist nie zu spät eine oder mehrere Impfungen nachzuholen: Zögern Sie nicht Ihren Impfausweis überprüfen zu lassen. Sie können mit dieser Überprüfung sofort beginnen, wenn Sie einen elektronischen Impfausweis erstellen auf www.meineimpfungen.ch. Geben Sie Ihre persönlichen Daten ein und registrieren Sie die Impfstoffe, die Sie bisher erhalten haben. (Das kann auch DATAVAC für Sie erledigen.) Eine Experten-Software zeigt Ihnen mit roten Punkten automatisch die Krankheiten an, gegen die Sie noch nicht – oder nicht mehr – geschützt sind.

 

Schutzgrad der Impfung gegen Windpocken

Der Impfstoff schützt zu 80% vor allen Windpockenformen und zu 90% vor schweren Verlaufsformen oder mit Komplikationen verbundenen Windpocken. Daher entwickelt der Grossteil der geimpften Personen keine Windpocken. Die anderen haben Windpocken in abgeschwächter Form: Sie haben weniger Fieber, weniger Bläschen und erholen sich schneller, als wenn sie nicht geimpft worden wären. Die Impfung erfordert zwei Impfdosen gegen Windpocken im Abstand von mindestens vier Wochen. Der Impfstoff gegen Windpocken kann gleichzeitig mit anderen Impfstoffen verabreicht werden.

 

Bekannte Nebenwirkungen des Windpocken-Impfstoffs

Die Windpockenimpfung wird im Allgemeinen gut vertragen. Bei einem von 3 bis 5 Geimpften kann es an der Stichstelle zu einer Rötung oder Schwellung kommen, die rasch wieder verschwindet. Leichtes Fieber (bei einem von 10 bis 20 Geimpften) oder ein leichter windpockenartiger Ausschlag (bei einem von 20 bis 25 Geimpften) können zwischen 7 und 21 Tagen nach der Impfung auftreten. Andere Nebenwirkungen (z.B. eine Lungenentzündung) sind äusserst selten.

Es wurden auch andere gesundheitliche Probleme nach der Impfung gemeldet, sie sind aber so selten (weniger als 1 auf 100’000 bis 1 auf 1 Million), dass es schwierig ist, nachzuweisen, ob die Impfung die Ursache war oder nicht.


Weitere Informationen:

PDF - Fakten zur Varizelleimpfung (2010)

PDF - Empfehlungen Varizelleimpfung (2004)

PDF - Impfung von Frauen im gebärfähigen Alter (2006)