Diese Fragen sind von Kinderärzten und Infektiologen zusammengestellt worden, die sich seit Jahren intensiv mit Impffragen auseinandersetzen. Als beratende Fachpersonen von Infovac erhalten die Impfexpertinnen und -experten zahlreiche Fragen von Kolleginnen und Kollegen.
Hier sind die häufigsten Fragen aufgeführt – und mit kurzen, auf aktueller wissenschaftlicher Evidenz beruhenden Antworten versehen.
Was versteht man unter der homöopathischen Ausleitung?
Mit der Ausleitung soll „der Körper von Giftstoffen befreit werden, die ihn ständig belasten“.
Wie funktioniert das Ausleiten bei den Impfungen?
Bei der Ausleitung von Impfungen werden homöopathische Verdünnungen des Impfstoffs („Impfnosoden“) peroral verabreicht, vor der Impfung (um „das Terrain zu präparieren“) und/oder danach (um „das Terrain zu reinigen“).
Vermindert die Ausleitung die Immunantwort auf die Impfstoffe?
Nein: dieses homöopathische Vorgehen beeinflusst die Impfantwort nicht…
Vermindert die Ausleitung das Risiko für Impfstoff-Nebenwirkungen?
Obwohl das Ausleiten gelegentlich zu diesem Zweck angewendet wird, hat noch keine kontrollierte Studie einen Nutzen des Ausleitens ergeben. Es stimmt, dass die Durchführung einer solchen Studie schwierig ist, da das Risiko für Impfnebenwirkungen auch ohne Ausleitung schon sehr niedrig ist!
Beinhaltet die Ausleitung an sich ein Risiko?
Die Anwendung von ausleitenden Verfahren scheint nicht mit Gefahren verbunden zu sein – auch wenn keine kontrollierte Studie dies bestätigt.
Die Hauptgefahr der Ausleitung besteht darin, dass sie glauben macht, die Impfungen würden den Körper vergiften… obwohl diese nur sehr wenige Antigene in kleinsten Mengen enthalten! Die Stimulation des Immunsystems durch die heutigen, hochreinen Impfstoffe ist derart genau und gezielt, dass nicht die geringsten Anhaltspunkte für eine Überlastung des Körpers bestehen …
Wenn Sie Fragen zu den Impfungen haben, dann sprechen Sie doch mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt darüber!
Stimmt es, dass: „Besonders gefürchtet… ist jedoch die Hirnentzündung als schwerwiegendste Komplikation einer Masernerkrankung. Angaben zur Häufigkeit schwanken zwischen 1 :1000 und 1 :10'000, wobei die zweite Zahl realistischer sein dürfte.“ ?
Nein.
Kürzlich beobachtete Epidemien in den Niederlanden, Italien und der Schweiz haben leider gezeigt, dass die Häufigkeit tatsächlich in der Grössenordnung von 1 von 1000 liegt :
- 4 Fälle unter weniger als 700 gemeldeten Masernfällen in der Schweiz im Jahr 2003;
- 13 auf 20'000 gemeldete Masernfälle in Italien im Jahr 2001;
- 5 Fälle auf etwa 3000 Masernfälle in den Niederlanden in den Jahren 1999-2000.
Referenz:
Measles outbreak--Netherlands, April 1999-January 2000. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2000; 49(14):299-303.
Measles epidemic attributed to inadequate vaccination coverage--Campania, Italy, 2002. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2003; 52(43):1044-7.
van den Hof S, Conyn-van Spaendonck MA van Steenbergen JE. Measles epidemic in the Netherlands, 1999-2000. J Infect Dis 2002; 186(10):1483-6.
Stimmt es, dass mehrere Studien bei jenen Frauen, die in der Kindheit Mumps durchgemacht hatten, ein verringertes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken zeigten? Stimmt es, dass eine rechtzeitig durchgemachte Mumpserkrankung das Risiko einer Multiplen Sklerose im späteren Leben zu verringern scheint?
Uns sind keine kontrollierten Studien bekannt, die einen schützenden Effekt durchgemachter Mumpsinfektionen nachweisen... Aufgrund aktuell verfügbarer Daten ist ein solcher Zusammenhang äusserst unwahrscheinlich.
Stimmt es, dass: „Falls ein Kind nicht gegen den Hib-Erreger geimpft wird, ist es wichtig, besonders gut auf Anzeichen einer Hirnhaut- oder Kehlkopfentzündung zu achten, um sie möglichst frühzeitig erkennen und therapieren zu können.“ ?
Diese Empfehlung ist realitätsfremd. Invasive Hib-Infektionen entwickeln sich sehr schnell. Auch erfahrene Ärztinnen und Ärzte haben oft Schwierigkeiten, sie frühzeitig zu erkennen!
Die Empfehlung ist auch nicht sozial, weil sie Kinder benachteiligt, deren Eltern nicht die Möglichkeit haben, allfällige Erstsymptome frühzeitig erkennen zu können...
Stimmt es, dass erwiesenermassen das Stillen des Säuglings einen wichtigen Schutzfaktor vor Hib-Infektionen darstellt ?
Es stimmt, dass Nicht-Stillen das Risiko für eine Hib-Meningitis weiter erhöht.
Es ist aber falsch zu behaupten, dass Stillen einen wichtigen Schutzfaktor darstellt, und dass gestillte Kinder keine Impfung benötigen.
Die Mehrzahl der gemeldeten Infektionen in der Schweiz wurde – und wird immer noch – bei gestillten Kindern beobachtet!
Referenz: Silfverdal SA, Bodin L, Hugosson S, Garpenholt O, Werner B, Esbjorner E, et al. Protective effect of breastfeeding on invasive Haemophilus influenzae infection: a case-control study in Swedish preschool children. Int J Epidemiol 1997; 26(2):443-50.
Stimmt es, dass vor Einführung der Impfung in der Schweiz pro Jahr knapp 100 Personen oder ungefähr 0.015 Prozent aller unter 10-Jährigen an einer Hib-Hirnhautentzündung und rund 50 Personen an einer Hib-Kehlkopfentzündung erkrankten?
Nein.
Offizielle Statistiken weisen indessen im Mittel 160 invasive Infektionen pro Jahr bei unter 5-jährigen Kindern aus, dazu kommen 20 Fälle bei älteren Kindern.
Referenz :
Bundesamt für Gesundheit: Übertragbare Krankheiten.
Desgrandchamps D, Schmid R, Zimmermann HP, Imahorn P, Kabus K Schubiger G. [Effect of conjugated PRP vaccines on the incidence of invasive diseases caused by Haemophilus influenzae Type B in childhood]. Schweiz Med Wochenschr 1994; 124(14):575-82.
Clements DA, Booy R, Dagan R, Gilbert GL, Moxon ER, Slack MP, et al. Comparison of the epidemiology and cost of Haemophilus influenzae type b disease in five western countries. Pediatr Infect Dis J 1993; 12(5):362-7.
„Kinder mit Keuchhusten müssen möglichst rund um die Uhr überwacht werden.“
Ganz abgesehen davon, dass eine Dauerüberwachung über mehrere Wochen eine grosse Belastung für alle Beteiligten bedeutet, ist es gefährlich, den Eindruck zu erwecken, dass dies ausreicht.
Todesfälle kommen leider auch bei bester stationärer kardiorespiratorischer Überwachung vor....
Stimmt es, dass tödliche Keuchhustenverläufe selten sind? Lediglich bei jungen Säuglingen liegen sie in der Grössenordnung von 0.1%?
Wie soll das Adverb „selten“ zur Beschreibung einer Letalität von 1 von 1.000 verstanden werden?
Das bedeutet 60-70 Kinder pro Jahr in der Schweiz!
Stimmt es, dass „Keuchhusten sehr ansteckend ist und früher eine typische Kinderkrankheitwar"? Gibt est mehr Fälle von Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen bei zunehmender Durchimpfung der Bevölkerung ?
Es stimmt, dass die Impfung Kinder nur etwa 10 Jahre lang schützt, und dass ohne weitere Auffrischungen kein Schutz für Jugendliche und Erwachsene aufgebaut wird.
Es fehlen aber Hinweise darauf, dass die Impfung von Kleinkindern die Ursache für Keuchhustenfälle bei Erwachsenen wäre.
Auch die natürliche Pertussisinfektion hinterlässt keine lebenslange Immunität, Reinfektionen bei Erwachsenen werden aber nur selten als solche erkannt!
Da die Verletzungsgefahr eines Kleinkindes in der Regel sehr gering ist, impfen impfkritische Ärztinnen und Ärzte hierzulande oft erst ab dem „Krabbelalter“, wenn das Kind verletzungsgefährdeter ist - macht das Sinn?
Diese Empfehlung berücksichtigt nicht, dass ein sicherer Schutz 3 Dosen erfordert!
Dieses Schema (12-14-26 Monate) vermittelt also erst ab dem Alter von 26 Monaten einen sicheren Schutz vor Tetanus.
Kinder sind aber bereits im 2. Lebensjahr sehr verletzungsanfällig!
Stimmt es, dass ausser bei Familien, die mit ihrem Kleinkind in den ehemaligen Ostblock oder in Entwicklungsländer reisen, das Ansteckungsrisiko für Diphtherie auch aufgrund der hiesigen Lebensverhältnisse gering ist?
Nein.
Der Trugschluss, dass die Impfung daher unnötig sei für alle diejenigen, die nicht reisen, hat zur Folge, dass die Diphtherie früher oder später wieder auftreten wird!
Stimmt es, dass in der Schweiz die Diphtherie seit vielen Jahren nicht mehr aufgetreten ist?
In der Schweiz wurden tatsächlich keine durch Corynebacterium diphtheriae verursachten Diphtheriefälle mehr beobachtet, und zwar dank der Tatsache, dass die Mehrzahl der Kinder einen Impfschutz aufweist.
Wohl aber wurde im Jahr 2002 der Fall eines 8-jährigen, nicht geimpften Kindes aus dem Entlebuch gemeldet, das an einer durch einen Diphtherietoxin-positiven Stamm von Corynebacterium ulcerans verursachten nekrotisierenden Angina erkrankte. Glücklicherweise handelte es sich um einen Einzelfall, ähnliche Fallberichte gibt es auch aus Grossbritannien und Frankreich. Der Fall erinnert aber daran, dass nur die allgemeine Impfung die Verbreitung der Diphtherietoxin-Phagen zu limitieren vermag.
Stimmt es, dass der Effekt von Massenimpfungen auf Infektionskrankheiten sehr gering ist?
Einige Personen ordnen den Rückgang von impfpräventablen Krankheiten in erster Linie Veränderungen unserer Lebensgewohnheiten zu (z.B. Ernährung, Wasserqualität, Hygiene). Die Bedeutung dieser Faktoren ist unbestritten. Aber gewisse Grafiken, die den zeitlichen Verlauf der Masern- und Keuchhustensterblichkeit zwischen 1850 und 1970 darstellen, lassen ausser Acht, dass die Qualität der Statistiken vor 1950 viel zu wünschen übrig liess. Sie stellen die Anzahl der Todesfälle pro einer Million Kinder dar, womit der Anschein erweckt wird, dass Masern oder Keuchhusten bereits keine Todesfälle mehr verursachten, bevor die Impfungen eingeführt wurden.
Dies vermittelt den Eindruck, dass das Sterberisiko von Masern und Keuchhusten praktisch null beträgt und die Impfungen deshalb unbedeutend sind. Dem ist nicht so. Die Letalität von Masern in Europa liegt auch heute noch bei etwa 1 : 1’000, wie Epidemien in den Niederlanden in den Jahren 1999-2000 (3 Todesfälle auf 3600 gemeldete Fälle) und in Italien in 2002 (4 Todesfälle auf 20'000 gemeldete Fälle) in Erinnerung rufen.Das Risiko für Säuglinge, an Keuchhusten zu sterben, liegt auch heute noch in der Grössenordnung von 1 : 100 bis 1 : 200.
Die Bedeutung von Massenimpfungen für die Kontrolle von Infektionskrankheiten kann sogar in industrialisierten Ländern einfach aufgezeigt werden. Beispiele sind das Verschwinden von Masern, Röteln und Mumps in Finnland zwischen 1980 und 2000, der eindrückliche Rückgang des Keuchhustens in Schweden zwischen 1995 und 2004, oder die Reduktion von Haemophilus influenzae Typ - Meningitiden in der Schweiz seit 1990.Gut geführte Impfprogramme tragen auch in Ländern mit niedrigerem Lebensstandard zur Elimination von Krankheiten bei, man denke zum Beispiel an die Poliomyelitis, aber auch an das Verschwinden der Masern in Zentral- und Südamerika oder in Ländern der ehemaligen UdSSR.