Die Kinderlähmung (oder Poliomyelitis) wird durch den Poliovirus verursacht, der durch Schmierinfektionen übertragen wird (wie zum Beispielen mit Fäkalien, verunreinigtem Wasser). Bei vielen Personen verläuft die Infektion ohne jegliche Krankheitszeichen. Rund 1% der Infizierten erkrankt jedoch und entwickelt akute schwere und oftmals bleibende Lähmungen. Erkrankte Kinder wurden häufig gesund ins Bett gebracht und waren am nächsten Morgen gelähmt. Die Lähmungen können sich auf Arme und Beine ausdehnen.

Fillette avec une jambe déformée par la poliomyélite
Foto: Centers for Disease Control and Prevention

Befällt der Virus im Hirn auch das Atem- und Kreislaufzentrum, kann die Kinderlähmung in 20 bis 60% der Fälle tödlich verlaufen.

Es gibt keine Medikamente zur Behandlung der Kinderlähmung. Dank der Impfung ist in der Schweiz seit 1982 kein Fall von Kinderlähmung mehr aufgetreten.

Das Virus kann jedoch in verschiedenen Ländern noch angetroffen werden (siehe Empfehlungen für Reisende).



Weitere Informationen:

PDF - Poliomyelitis: Arzt und Labormeldungen von Erkrankungen 1940-2003

 

Impfstoff gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Der Impfstoff gegen Kinderlähmung (oder Poliomyelitis) enthält ein abgetötetes Virus von drei Poliovirusstämmen. Die Wirkung des Impfstoffs wird durch ein Aluminiumsalz unterstützt.

Für die Polio-Impfung sind bei Erwachsenen mindestens drei Dosen erforderlich. Wenn im Säuglingsalter mit der Impfung begonnen wird, sind insgesamt fünf Dosen notwendig. Auffrischungsimpfungen sind nur bei Personen mit einem Kontaktrisiko nötig, die sich in Ländern aufhalten, in denen Kinderlähmung weiterhin auftritt.

Die Impfung gegen Kinderlähmung ist empfohlen für

  • Säuglinge ab dem 2. Monat,
  • Kinder (15 bis 24 Monate, 4 bis 7 Jahre),
  • Adoleszenten (11 bis 13 Jahre).

 

Nach der Grundimpfung (5 Dosen), sind keine regelmässigen Nachimpfungen mehr nötig, ausser wenn man in eine Risikoregion reist.

Dank Impfkampagnen sind diese Länder seltener geworden. Mit der Experten-Software von www.meineimpfungen.ch können Sie vor einer Reise sehr einfach prüfen (Region, Art der Reise, Reisedauer usw.), ob eine Impfung gegen Kinderlähmung empfohlen wird oder sogar Pflicht ist. Nachdem Sie einen Impfausweis erstellt haben, brauchen Sie nur die Informationen auf dem Reiter «Reisen» einzugeben und schon sehen Sie, ob eine Impfung empfohlen wird. Danach klicken Sie auf «Impfcheck», um festzustellen, ob Sie schon oder immer noch geschützt sind – oder nicht (roter Code). Die bereits erhaltenen und registrierten Impfungen werden berücksichtigt.

  www.safetravel.ch – medizinischer Rat für Reisende

Nach der Grundimpfung werden Auffrischungen einer Polio-Impfung empfohlen, die weniger als 10 Jahre zurückliegt (oder sogar 12 Monate in bestimmten Ländern mit erhöhten Risiken eines Exports des Virus). Für Personen, die in Länder reisen, in denen weiterhin ein Polio-Risiko besteht, können sie sogar verpflichtend sein.

 

Schutzgrad der Impfung gegen Kinderlähmung

Einzelimpfstoffe gegen Polio oder Kombinationsimpfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib, Meningitis (mit oder ohne Hepatitis B) gewährleisten einen Schutz von mindestens 95% vor Kinderlähmung.

 

Bekannte Nebenwirkungen des Polio-Impfstoffs

Bei Erwachsenen: Der Einzelimpfstoff gegen Polio oder der Kombinationsimpfstoff gegen Polio, Diphtherie, Tetanus wird sehr gut vertragen, Nebenwirkungen sind sehr selten und harmlos (lokale Entzündung).

Bei Kindern: Die Kombinationsimpfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung und Hib-Meningitis (mit oder ohne Hepatitis B) wurden speziell für Säuglinge entwickelt.

Die Impfung führt bei etwa 5 bis 15% der Fälle zu vorübergehenden örtlichen Reaktionen (Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Einstichstelle) oder allgemeinen Nebenwirkungen (z.B. Fieber, meist <39°C). Eine Schwellung des Armes kann besonders bei älteren Kindern vorübergehend auftreten. Diese Reaktionen treten im Allgemeinen in den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Impfung auf und klingen rasch und folgenlos wieder ab.
Wenn das Fieber sehr hoch ist, kann es einen Fieberkrampf auslösen. Aus diesem Grund ist es wichtig, nach der Impfung die Temperatur des Kindes zu kontrollieren. Ungefähr 1 Säugling auf 1000 reagiert nach der Impfung mit stundenlangem Schreien. Sehr selten kommt es bei Personen mit entsprechender Veranlagung (Allergie) zu Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Bestandteile des Impfstoffes, die sich als Rötung der Haut oder Juckreiz äussern. Ausgeprägtere Reaktionen bis hin zu Kreislaufschwäche sind extrem selten (weniger als 1 auf 1 Million).

Es wurden auch andere Probleme nach den Impfungen gemeldet. Sie sind ausserordentlich selten (1 auf 100'000 oder auf 1 Million). Entsprechend ist es schwierig zu sagen, ob die Impfung die Ursache ist oder nicht.

Wichtig ist, dass die Impfstoffe das Immunsystem der Säuglinge nicht schwächen und dass sie das Risiko für Allergien oder andere Krankheiten im späteren Leben nicht erhöhen.


Weitere Informationen:

PDF - Fakten-Kinderlahmungimpfungen (penta und hexa Impfung) (2015)