Fakten zu Impfungen (FS)
| COVID-19 : Factsheet Covid-19-Impfung (Februar 2025) |
| COVID-19 : Impfung für Schwangere (Februar 2025) |
| Diphtherie, Starrkrampf, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hib +- Hepatitis B (Kinder) (Juni 2023) |
| Frühsommer-Meningoenzephalitis (2024) |
| Saisonale Grippe (November 2022) |
| Hepatitis A (Dezember 2018) |
| Hepatitis B (Oktober 2018) |
| HIV : Impfungen bei Personen mit einer HIV-Infektion (Juni 2008) |
| HPV : bedingte Krebserkrankungen und Genitalwarzen (Januar 2024) |
| Meningokokken (Januar 2024) |
| Pneumokokken (Juni 2024) |
| Respiratorisches Synzytial Virus (RSV) (September 2024) |
| Rotavirus (März 2024) |
| Masern, Mumps, Röteln und Varizellen: Basisimpfung für Säuglinge (Januar 2023) |
| Windpocken (Varizellen): Nachholimpfung fur Personen < 40 Jahren (Januar 2023) |
| Ab Juli 2022 wird das Dokument «Reisemedizin: Impfung und Malariaschutz bei Auslandreisen» durch die Website www.healthytravel.ch ersetzt. |
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Impfungen: zwischen Pflicht und Freiheit
Was ist wichtiger: die freie Impfentscheidung oder eine öffentliche Gesundheitsstrategie, die auch die Schwächsten vor ansteckenden Krankheiten schützt?
In den meisten Ländern besteht keine Impfpflicht; stattdessen geben die Behörden bevorzugt Impfempfehlungen ab und informieren die Öffentlichkeit über die Gefahren der Infektionskrankheiten. Wenn sich immer mehr Menschen nicht impfen lassen, hat der Staat dann das Recht, einzugreifen und eine Impfpflicht einzuführen? Wie weit reicht die Entscheidungsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger, wenn es nicht nur um ihre eigene, sondern auch um die Gesundheit ihrer Mitmenschen geht? Und in welchem Mass kann der Staat bei Fragen eingreifen, die das Privatleben der Bürgerinnen und Bürger tangieren? Die Fragestellung ist aktuell. Frankreich, Italien und einige östliche Länder haben die Impfpflicht eingeführt, um eine bessere Durchimpfungsrate zu erreichen und die Ausbreitung bestimmter Infektionskrankheiten einzudämmen. Kinder werden ohne bestimmte Impfungen nicht in die Schule aufgenommen. Auch in der Schweiz taucht die Debatte bei jeder neuen Masern-Epidemie wieder auf.
Angst und Sicherheitsgefühl
Es ist ein Teufelskreis: Wenn eine Krankheit sich innerhalb einer Bevölkerung ausbreitet, bekommen die Menschen Angst und rennen los, um sich mit einer Impfung zu schützen. Die dann folgende geringere Ausbreitung des Krankheitserregers, die dank einer hohen Durchimpfungsrate erreicht wird, lässt uns die Gefahr dieser Krankheit vergessen, und wir meinen, dass die Impfung keinen Nutzen mehr hat. In dieser Phase ist die Durchimpfungsrate der Bevölkerung geringer und der Staat lanciert angesichts des erhöhten Risikos, dass besiegt geglaubte Krankheiten wieder auftreten, neue Informationskampagnen. Wenn Informationen nicht ausreichen, «verpflichten» einige Staaten die Menschen dazu, sich impfen zu lassen. Diese Entscheidung ergibt sich daraus, dass die Impfung zugleich eine individuelle Handlung und eine Frage der öffentlichen Gesundheit ist. Natürlich wird niemand mit Gewalt geimpft! Die Verpflichtung bedeutet meistens, dass die Nichtimpfung mit dem Verlust bestimmter Vorteile verbunden ist (wie die Krippe oder die kostenlose öffentliche Schule besuchen zu können).
Öffentliche Gesundheit
Das Konzept der «öffentlichen Gesundheit» spricht sicherlich für diese Verpflichtung. Die Verpflichtung ist nicht nur ein Zwang, sondern auch eine starke Botschaft: Denken Sie daran, dass Impfungen sehr wichtig für uns, für unsere Kinder und für die Gesellschaft insgesamt sind. Wenn der Staat eine Handlung verpflichtend macht, bedeutet das, dass die Handlung von grundlegender Bedeutung ist. Es ist zum Beispiel vorgeschrieben, an einer roten Ampel anzuhalten, um nicht sein eigenes Leben und das Leben Anderer zu gefährden. Im Bereich der Impfungen sind die Dinge jedoch nicht so einfach. Das Injizieren einer Substanz in einen gesunden Körper wird anders wahrgenommen als das Einnehmen eines Aspirins gegen Fieber oder das Anhalten an einer roten Ampel. Experten wissen es: Wenn ein wissenschaftliches Thema zum Diskussionsthema wird, fliessen sofort Elemente ein, die über das Rationale hinausgehen. Imaginäre Wahrnehmungen, unterschiedliche Kulturen und Überzeugungen sind dann genauso wichtig wie wissenschaftliche Daten. Sie können nicht mit einer einfachen Informationskampagne vom Tisch gewischt werden.
Zwang oder Verantwortung
Mit anderen Worten: Die Kenntnisse und Entscheidungen der Öffentlichkeit ergeben sich immer aus einem komplexen Gewebe von Vorurteilen, imaginären Wahrnehmungen und realen Daten. Aus diesem Grund findet die Impfung nur mit Mühe aus diesem gewundenen Labyrinth heraus. Hierauf beruhen die Argumente gegen die Impfpflicht, und die Fakten bestätigen die Theorie: In Italien und Frankreich hat die Impfpflicht die Gegenpositionen radikalisiert und neue Protestargumente begünstigt. Gleichzeitig steigen jedoch die Impfraten – was einen Meinungswandel bei denjenigen zeigt, die gezögert haben und sich dann für eine Impfung entscheiden.
In der Schweiz gibt es zurzeit keine Verpflichtung, sich impfen zu lassen. Die Behörden haben sich für das ethische Prinzip der Selbstbestimmung entschieden und sind sich dabei bewusst, dass die Bürgerinnen und Bürger dadurch eine grössere Wahlfreiheit und mehr Verantwortung erhalten. Jenseits der lebhaften Diskussionen ist vielleicht Folgendes interessanter: Die Durchimpfungsrate ist in den Ländern, in denen eine Impfpflicht für die Bevölkerung besteht, nicht viel höher als in unserem Land. Soweit es möglich ist, scheint die solidarische Verantwortung jedes einzelnen, in einem Klima des Vertrauens und der Transparenz, das bessere Argument zu sein.
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Nicht nur Kinder, auch Erwachsene brauchen Impfschutz

Foto: Rhoda Baer, National Cancer Institute
Die meisten Impfungen werden im Laufe der ersten 10 – 15 Lebensjahre durchgeführt. Die Eltern entscheiden hierüber im Gespräch mit Kinderärztinnen/Kinderärzten. Andere wichtige Impfungen werden jedoch in der Adoleszenz oder im Erwachsenenalter verabreicht. Durch sexuelle Aktivität sind wir mit neuen Infektionsrisiken konfrontiert. Manchmal ist eine zusätzliche Impfung für eine Auslandsreise erforderlich, manchmal auch im Zusammenhang mit bestimmten Berufen. Schliesslich verlieren einige in der Kindheit durchgeführte Impfungen ihre Wirksamkeit und erfordern deshalb eine Auffrischung. Aus diesen Gründen ist es immer nützlich zu wissen, wie man seinen Impfschutz überprüfen und die gemäss Alter und Situation empfohlenen Impfungen durchführen lassen kann.
In der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter empfiehlt der Schweizerische Impfplan die Impfung gegen Infektionen durch humane Papillomaviren (HPV). Diese Viren werden durch sexuelle Kontakte übertragen und verursachen Krebs, z.B. im Genitalbereich und im Hals-Rachenbereich, sowie Genitalwarzen. Die HPV-Impfung schützt sehr gut vor diesen Folgeerkrankungen und wird allen Mädchen und jungen Frauen sowie allen Jungen und jungen Männern ab dem Alter von 11 Jahren empfohlen – und ist bis zum Tag vor dem 27. Geburtstag kostenlos (entscheidend ist das Alter bei der ersten Dosis).
Jugendliche und Erwachsene sollten dem Schutz vor Hepatitis B besondere Aufmerksamkeit schenken. Aufgrund des Risikos der sexuellen Übertragung wird die Impfung für alle Personen, die im Säuglingsalter noch nicht geimpft wurden, ohne obere Altersbegrenzung empfohlen – insbesondere Erwachsenen, die im Sozial- und Gesundheitswesen tätig sind: sie können mit infektiösem Blut in Kontakt kommen.
Das Älterwerden führt dazu, dass unser Immunsystem gewisse Infektionen nicht mehr gleich gut abwehren kann oder Erkrankungen schwerer verlaufen. Es gibt deshalb speziell für Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren empfohlene Impfungen, die vor Gürtelrose (Herpes Zoster), Grippe (Influenza) und schweren bakteriellen Lungenentzündungen (Pneumokokken) oder auch schwer verlaufenden viralen Atemwegsinfektionen (RSV, COVID) schützen. Diese Impfungen können auch bei jüngeren Erwachsenen mit bestimmten Risikofaktoren nötig sein. Die behandelnde Ärztin, der behandelnde Arzt kann dazu Auskunft geben.
Erwachsene (in der Regel bis 40 Jahre), die in der Kindheit die Windpocken nicht durchgemacht haben, sollten sich dagegen impfen lassen.
Auch der Aufenthalt in der Natur kann Infektionsrisiken mit sich bringen: Dies gilt z.B. für das FSME-Virus (Frühsommer-Meningoencephalitis), das die durch bestimmte Zecken übertragene Gehirn- und Hirnhautentzündung verursacht. In der Schweiz ist das Virus mittlerweile in den meisten Regionen, ausser im Tessin, sehr verbreitet und die Impfung deshalb wichtig für alle Personen, die sich in der Natur bewegen. Für weitere Informationen und die Impfung wenden Sie sich an Ihre Hausärztin / Ihren Hausarzt oder an eine Apotheke.
Auffrischimpfungen und Reisen
Neben den «Grundimpfungen» dürfen die Auffrischimpfungen nicht vergessen werden. Dies gilt für die Impfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten. Die Keuchhusten-Impfung ist ein sehr wichtiges Mittel zum Schutz von Neugeborenen, die bis zum Alter von sechs Monaten besonders anfällig für diese Infektionen sind. Aus diesem Grund wird eine Auffrischung der Keuchhustenimpfung allen schwangeren Frauen in jeder Schwangerschaft (vorzugsweise im Laufe des zweiten Drittels der Schwangerschaft) empfohlen, um den wichtigen, indirekten Antikörper-Schutz für die ersten Lebensmonate über die Plazenta auf das Baby zu übertragen. Ausserdem wird sie allen Erwachsenen empfohlen, die regelmässig Kontakt zu Säuglingen unter 6 Monaten haben, wenn sie im Laufe der letzten 10 Jahre nicht gegen diese Krankheit geimpft wurden. Wenn kein Kontakt zu Säuglingen besteht, wird zwischen 25 und 65 Jahren alle 20 Jahre eine Auffrischung der Diphtherie-Tetanus-Impfung empfohlen und danach alle 10 Jahre. Der Schutz vor FSME (Zecken-übertragene Gehirn-/Hirnhautentzündung) muss ebenfalls alle 10 Jahre aufgefrischt werden.
Schliesslich gibt es noch besondere Reiseimpfungen. In vielen fernen Ländern sind zusätzliche Impfungen erforderlich: das häufigste Beispiel ist Hepatitis A. Eine Reise sollte aber generell als Gelegenheit genutzt werden, auch den Impfschutz gegen andere Krankheiten und die erforderlichen Auffrischimpfungen zu überprüfen.
