Impfkosten: Lohnt es sich, die ganze Bevölkerung zu impfen?

Benjamin Franklin sagte: «An ounce of prevention is worth a pound of cure», auf Deutsch «Eine Unze Prävention ist soviel wert wie ein Pfund Therapie». . Die Masseinheiten sind zwar etwas veraltet, aber der Satz trifft nach wie vor zu: «Vorbeugen ist besser als Heilen». Diese Sichtweise gilt sicherlich auch für die Impfstoffe, aber den Wert einer Unze Impfstoffe zu verstehen, ist etwas komplizierter. Die Impfung ist eine vorbeugende Massnahme, die der Gesellschaft sehr viele Vorteile bringt. Kurzfristig bietet sie dem Einzelnen aber wenig greifbaren Nutzen. Gerade wegen der Impfungen verschwinden Krankheiten, werden unsichtbar und die Erinnerung an die schwerwiegenden Konsequenzen bestimmter Krankheiten verblasst. Und das ist das Paradoxe: Wenn das Risiko unsichtbar ist, wird es nicht mehr wahrgenommen. Das geht so weit, dass die Bürger in vielen Ländern sich fragen, ob Impfungen tatsächlich nützlich sind und ob es wirklich notwendig ist, für Impfungen Geld auszugeben.

In der Schweiz trägt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten der wichtigsten Impfungen (die vor etwa zehn Infektionskrankheiten schützen) entsprechend den Richtlinien und Empfehlungen des Impfplans. Dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen, bedeutet nicht, dass die Impfungen kostenlos sind. Aufgrund des Solidaritätskonzepts unseres Gesundheitssystems leistet jeder Bürger mit seinen Prämien einen Beitrag zur Deckung ihrer Kosten. Aber sind diese Aufwendungen rentabel? Ja, eindeutig. Im Hinblick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis haben Studien bestätigt, dass die aktuell empfohlenen Impfungen das wirksamste Instrument sind, nicht nur um Krankheiten vorzubeugen, sondern auch um sparsam mit dem Geld umzugehen. Die Tatsache, dass viele Kinder und Erwachsene bestimmten Viren und Bakterien nicht ausgesetzt sind, kostet nur ein Zehntel bis Hunderstel der Summe, die eine Epidemie kosten würde (Behandlung, Hospitalisation, Langzeitpflege usw.).

 

Der Preis der Prävention

Der Hauptvorteil liegt jedoch anderswo. Allgemeine Schätzungen zeigen, dass Impfungen jedes Jahr weltweit mehr als zehn Millionen Todesfälle verhindern: 5 Millionen Menschen werden vor Pocken, 2,7 Millionen vor Masern, 2 Millionen Neugeborene vor Tetanus, 1 Million vor Keuchhusten, 600 000 vor Kinderlähmung und 300 000 vor Diphtherie geschützt. Über die Rentabilität der Impfungen hinaus – und obwohl die Gesundheitskosten eine Hauptsorge der Schweizer Bevölkerung sind – muss auch über das Wohlbefinden gesprochen werden: ein gesundes Kind ist glücklicher als ein Kind, das mit Masern im Bett liegt, und ein älterer Mensch ohne Grippe lebt besser als jemand, der seit Wochen wegen einer Lungenentzündung in Verbindung mit einer Grippe behandelt wird.

Zum ökonomischen Wert der Impfungen gehören auch greifbare Vorteile auf verschiedenen Ebenen: weniger Fehltage am Arbeitsplatz, kleinere Zahl bestimmter Krebsfälle, geringere Sozial- und Gesundheitskosten. Ohne Impfungen würden die Kosten der Invaliditätsversicherung stark steigen (denken Sie an Kinderlähmung). Die Regel von Benjamin Franklin findet jedoch nicht aufs Wort genau Anwendung. Es werden nicht alle Impfungen unterschiedslos der gesamten Bevölkerung empfohlen: Manchmal ist die Impfung nur für Personen bestimmt, bei denen ein besonderes Risiko einer Erkrankung oder der Entwicklung von Komplikationen besteht. Die Impfung gegen Hepatitis A wird beispielsweise nur bestimmten Risikogruppen empfohlen und die Grippeimpfung wird von der obligatorischen Krankenversicherung nur den über 65-Jährigen erstattet. Das Kriterium ist immer das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ähnlich gestaltet sich die Lage bei anderen Impfstoffen. Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist zum Beispiel für junge Frauen und Männer bis 26 Jahre kostenlos, weil der Nutzen der Impfung kleiner wird, wenn das Risiko einer Infektion vor der Impfung steigt.

Was kostet die Impfung? Die Frage sollte zweifellos umgekehrt lauten: Wie viel Geld kann mit der Impfung gespart werden? Die durch den Schweizerischen Impfplan empfohlenen Impfstoffe kosten zwischen 10 und 100 Franken (mit Ausnahme des Impfstoffs gegen das Papillomavirus, der 256 Franken kostet). Nimmt man den Taschenrechner zur Hand, so ergibt sich ein Gewinn sowohl bei den Krankenversicherungsprämien als auch beim Wohlergehen der Bevölkerung.

 

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